Lebensdaten zu Hans Henny Jahnn
geboren ist Hans Henny Jahnn (Geburtsname Jahn) am 17. Dezember 1894 in Stellingen-Langenfelde, heute Hamburg, als Sohn eines Schiffsbauers. Sein Vater war als Schiffstischler angestellt in der Werft seines Bruders auf der Elbinsel Steinwerder, wo Jahnn als Junge einen Teil seiner Freizeit verbrachte. Auf diesem „Abenteuerspielplatz“ konnte er seiner Phantasie freien Lauf lassen und wuchs schon früh wie selbstverständlich in den Umgang mit dem Werkstoff Holz hinein, was ihm in seiner späteren Tätigkeit als Orgelbauer sehr zu Gute kam. Hans Henny Jahnn unternahm, getrieben von seiner regen Phantasie, die er auch in der „geheimnisvollen Abgeschiedenheit“ seines Geburtshauses in der Högenstraße voll auslebte, allerhand Experimente mit Elektrizität und Explosivstoffen wie Phosphor. Einmal verursachte er dabei eine gewaltige Explosion, spielte mit Lichtbögen und
maß seine Kräfte am Aufbauen von Steintürmen, nicht immer zur Freude von Eltern und Nachbarschaft. Er hielt Frösche und Schlangen, hatte überdies eine starke Zuneigung zu Tieren und wollte am liebsten die Tiger in Hagenbecks Tierpark aus ihren engen Käfigen befreien, liebte die grazile, urwüchsige Eleganz dieser Tiere.
In der Schule war er eher mittelmäßig, pflegte dort mehrere leidenschaftliche Jungenfreundschaften mit seinen Mitschülern, welche aber zu seinem Leidwesen nach einiger Zeit mit ihren Eltern fortzogen. Die einzige lebenslange Freundschaft aus dieser Zeit ist die zu Gottlieb Friedrich Harms. Seine Kindheit war aber auch getrübt durch mancherlei unschöne Erlebnisse mit seinen Schulkameraden und seinem familiären Umfeld, da er als verträumt, überaus sensibel, ängstlich und zudem als hässlich galt und somit zahlreiche Angriffsflächen für Hänseleien und üble Scherze bot. Diese Umstände haben sein Wesen nachhaltig geprägt, seine Seele aber für Mitgefühl und Hilfsbereitschaft durch diese Erfahrungen am eigenen Leben umso empfänglicher gemacht.
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1914 schloss er das Realgymnasium mit dem Abitur ab.
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1915 ging er gemeinsam mit seinem Freund Gottlieb Friedrich Harms nach Norwegen, um als überzeugter Pazifist und entschiedener Feind jedweder Gewalt dem Kriegsdienst zu entgehen. In Norwegen beschäftigte er sich, angeregt durch die Entdeckung der
harmonikalen Lehren Keplers und
Kaysers, intensiv mit der Theorie des Orgelbaus, insbesondere durch das Studium des bis heute wichtigen und umfangreichen Werkes von Gottlieb Töpfer: Lehrbuch der Orgelbaukunst.
Die norwegische Landschaft in ihrer Urwüchsigkeit mit ihren atemberaubenden Formationen aus tief zerklüfteten Fjorden und Ganitfelsen hinterließ nachhaltige Eindrücke in dem ungen Menschen, denen er fortan in seinen literarischen Werken Ausdruck verlieh; immer wieder bildeten diese Landschaften die Bühne für seine Werke, vor allem im Roman
Perrudja.
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1918 kehrte er in seine Heimatstadt zurück, entbehrte aber eines Großteils seines alten Bekanntenkreises, da sein Pazifismus Anstoß erregt hatte und man sich still von ihm zurückzog.
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1919 gründete er gemeinsam mit seinen engsten Freunden Gottlieb Harms und Franz Buse die Künstlergemeinde
Ugrino
In diesem Jahr erschien Jahnns erste Publikation, das Drama
Pastor Ephraim Magnus (im s. Fischer Verlag)
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1920 bekam Hans Henny Jahnn den Kleist-Preis für sein Drama Pastor Ephraim Magnus. Das machte ihn einerseits schlagartig als Dichter bekannt, andererseits erntete er viel Kritik aus konservativen und kirchlichen Kreisen für dieses Werk wegen seines als anstößig empfundenen Inhaltes in Bezug auf die Brutalität der Szenen, Darstellung sexueller Gewalt und die Nutzung und bewusste Überzeichnung und Übertragung des Kreuzigungstodes auf seine Hauptfigur, was ihm späterhin sein Leben als Orgelbauer schwer machte.
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1923 erhielt Hans Henny Jahnn die Genehmigung zur Restaurierung der Hamburger Jacobiorgel, was sich maßgeblich auf sein weiteres Schaffen als
Orgelbauer auswirkte. Auf ihn gehen zahlreiche (weit über hundert) Orgelentwürfe, Neubauten und Restaurierungen zurück. Er führte visionäre Ideen in den Orgelbau ein, wurde zum treibenden Motor der norddeutschen Orgelreformbewegung und erfand einige bedeutende technische Neuerungen. Ein heute noch hervorragendes Werk ist die
Orgel der Heinrich-Hertz-Schule in Hamburg (damals Lichtwark-Schule)
Diejenige in der
Ansgar-Kirche zu Hamburg-Langenhorn wurde leider 2008 bei einem Restaurierungsversuch klanglich verdorben, diejenige aus der St-Pauli-Kirche, Hamburg, ist in einem Bayerischen Museumslager eingelagert.
In dieser Schaffensphase war er Mitglied der Hamburger Gruppe, einer Interessengemeinschaft von Hamburger Künstlern, der u. a. auch Hans Leip und der Architekt Fritz Höger angehörten; daraus hervor ging später das „Hamburger Künstlerkartell“, dessen Präsident Jahnn war.
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1926 heiratete er Ellinor Philips und hatte mir ihr eine Tochter, Signe (*1929).
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1931 bestand ein Kontakt zu dem dänischen Komponisten Carl August Nielsen. Hans Henny Jahnn schätzte dessen Kompositionen und versuchte, das große Orgelstück Commotio von Nielsen zu verlegen um es bekannt zu machen, was leider an der misslichen wirtschaftlichen Lage der Musikverleger durch die Weltwirtschaftkrise scheiterte.
Berufung zum Orgelsachverständigen der Freien und Hansestadt Hamburg
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1933 ging Hans Henny Jahnn in die Schweiz um den Nationalsozialisten zu entkommen, er wurde aber aus Deutschland von ihnen nicht ausgebürgert und emigrierte schließlich 1934 nach Dänemark auf die Insel
Bornholm, wo er einen Bauernhof bewirtschaftete und sich als Pferdezüchter betätigte. In Zusammenhang hiermit stand seine Beschäftigung mit den hormonellen Funktionen bei Tieren und Pflanzen, deren Erkenntnisse er zum Heilen von allerlei Krankheiten zum Teil erfolgreich anwenden konnte, desweiteren zur Zuchtoptimierung von verschiedenen Getreidesorten. Eine Weiterentwicklung aus Jahnns erfolgreicher Vorarbeit wird heute unter dem Namen
Presomen erfolgreich zur Beseitigung von Beschwerden des Klimakteriums eingesetzt.
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1945: Besetzung der Insel Bornholm durch russische Truppen, Beschlagnahmung von
Bondegaard.
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1946 war es ihm möglich, für einige Wochen seit Ende des Krieges nach Deutschland zu reisen.
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1947 nahm er sich seines musikalisch hoch begabten Patenkindes Yngve Jan Trede an (geb.1933), das er intensiv in dessen musikalischen Talenten förderte. Er wollte ihm eine Laufbahn als Komponist ermöglichen. Yngve komponierte u. a. Stücke zu Hans Henny Jahnns Dramen, die ihn als Musiker bekannter werden ließen. Er ist schließlich Musikprofessor am Kopenhagener Konservatorium geworden.
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1949 beteiligt sich Jahnn auf Bitten Alfred Döblins an der Gründung der Mainzer Akademie der Wissenschaften und der Literatur. Später wurde er Leiter der Klasse der Literatur.
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1950 kehrte Hans Henny Jahnn entgültig von Bornholm nach Hamburg . Dort gründete er die
Freie Akademie der Künste.
Er selbst war Gründungspräsident.
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1954 wurde er Ehrenmitglied im Schutzverband deutscher Autoren. Zusammen mit Georg Von der Vring erhält er den Niedersächsischen Literaturpreis.
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1956, 20. Juni, erhielt Hans Henny Jahnn den Lessing-Preis der Freien und Hansestadt Hamburg
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1957 Angesichts der Verheerungen des vergangenen Krieges wetterte er gegen die Wiederbewaffnung Deutschlands und die drohende Gefahr des Einsatzes von Nuklearwaffen.
Dazu verfasste er einige Schriften.
Am 17. April hielt er anlässlich einer Großkundgebung eine Rede auf dem Hamburger Rathausmarkt : "Kampf dem Atomtod"
Hans Henny Jahnn erlag am 29. November 1959 einem Herz- und Nierenleiden im Hamburger Tabea-Krankenhaus und wurde auf dem Nienstedtener Friedhof beigesetzt.

H. H. Jahnn, Tochter Signe Jahnn, Prof. Ernst Köhler
Stammbaum von Hans Henny Jahnn
(erstellt von Henny Jahn)
Die Angaben zu den Personendaten beruhen auf genealogischen Befunden, die teilweise in Datum und Namensschreibung in unterschiedlichen Dokumenten voneinander abweichen (Varianten hier in Klammen), lückenhafte Angaben sind heute Mangels Dokumenten nicht mehr recherchierbar. Aus Datenschutzgründen ist hier nur die direkte genealogische männliche Linie angegeben, unbeachtet bleiben Geschwisterlinien und die der Ehefrauen.
Jann von Rostock (um 1400)
Baumeister, gilt u. a. als Erbauer des berühmten Stalaktitengewölbes der Danziger Marienkirche
nicht urkundlich belegt, Familienlegende
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Johann(es) Christoph(us) Jahn
(*1754 zu Rostock, +16.11.1817)
Uhrmacher |
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Anna Juliana Burme(i)ster
(*Stralsund) |
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5 Kinder |
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Mattias Friedrich Jahn(n)
(*1.7.1795 zu Rostock)
Uhrmacher |
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Dorothea Maria Wiencke
(+1842 zu Rostock) |
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2 Kinder |
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Fried(e)rich Robert Jahn(n)
(*3.6.1821, + 24.4.1891)
(*1817, +21.04.1889)
Tischler, 1842 Übersiedlung
nach Hamburg,
dort Schiffsbauer
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Henriette Völkern (Völckers)
(*1.3.1819 zu Rostock, +23.4.1889 zu HH)
(*26.05.1821) |
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4 Kinder |
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Gustav William Jahn
(*4.3.1855 zu HH, +18.5.1935 zu HH) |
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Elise Marie Charlotte Petersen
(*18.6.1858 zu Güstrow, +10.3.1920 zu HH) |
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4 Kinder |
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Hans Henny (Henry) August Jahn(n)
(*17.12.1894 zu HH, +29.11.1959 zu HH)
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